Udo Lattek

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Udo Lattek

Udo Lattek als Trainer des FC Bayern München (1973)
Spielerinformationen
Geburtstag 16. Januar 1935
Geburtsort Bosemb, Deutsches Reich
Sterbedatum 1. Februar 2015
Sterbeort Köln, Deutschland
Position Mittelfeld
Vereine in der Jugend
VfB Königsberg
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1



1962-1965
SSV Marienheide
Bayer 04 Leverkusen
VfR Wipperfürth
VfL Osnabrück
? (?)
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70 (34)
Stationen als Trainer
vor 1965
1965-1970
1970-1975
1975-1979
1979-1981
1981-1983
1983-1987
1991
1992-1993
2000
VfR Wipperfürth
Deutsche Fußballnationalmannschaft (Assistenz)
FC Bayern München
Borussia Mönchengladbach
Borussia Dortmund
FC Barcelona
FC Bayern München
1. FC Köln
FC Schalke 04
Borussia Dortmund

1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Udo Lattek (* 16. Januar 1935 in Bosemb, Landkreis Sensburg, Ostpreußen; † 1. Februar 2015 in Köln) war ein deutscher Fußballspieler und -trainer.

Als Trainer gewann Lattek mit dem FC Bayern München und Borussia Mönchengladbach insgesamt acht deutsche Meistertitel. Mit dieser Bilanz ist er der erfolgreichste Vereinsfußballtrainer Deutschlands. Außerdem gewann er alle drei Wettbewerbe im Europapokal (Europapokal der Landesmeister, UEFA-Pokal, Europapokal der Pokalsieger).

Nachdem Lattek jahrelang als Fernsehexperte aktiv gewesen war, arbeitete er bis zum Bekanntwerden seiner Parkinson-Krankheit als Kolumnist.[1]

Herkunft und Jugend

Lattek stammte aus Ostpreußen, wurde gegen Endes des Zweiten Weltkriegs aus seiner Heimat vertrieben, gelangte so mit seiner Familie nach Westdeutschland und ließ sich im Rheinland nieder. Schon in jungen Jahren war er begeisterter Fußballspieler. Er spielte als Amateur für den SSV Marienheide, Bayer 04 Leverkusen und den VfR Wipperfürth. 1962 wechselte er zum VfL Osnabrück, wo er drei Jahre lang in der Ober- und Regionalliga Nord spielte und in 70 Punktspielen 34 Treffer erzielte.

1955 bestand Lattek das Abitur. Von 1955 bis 1958 studierte er in Münster Mathematik und Physik für das Lehramt. Anschließend war er ein Jahr lang am Engelbert-von-Berg-Gymnasium Wipperfürth, seiner ehemaligen Schule, tätig, 1961 unterrichtete er am Gymnasium Altenforst in Troisdorf als Sportlehrer.[2]

Arbeit als Trainer

DFB (1965 bis 1970)

Im Frühjahr 1965 nahm Lattek ein Angebot des DFB an und übernahm das Training der Jugendnationalmannschaft. Zudem gehörte er als Assistent dem Trainerstab von Bundestrainer Helmut Schön für die A-Nationalmannschaft an, weshalb er auch zur Weltmeisterschaft 1966 nach England mitreiste.[3]

Bayern München (1970 bis 1975)

Am 14. März 1970 übernahm Lattek das Traineramt beim FC Bayern München. Franz Beckenbauer soll ihn dazu bewogen haben, da die Spieler mit dem amtierenden Trainer Branko Zebec Probleme und sich vehement für Lattek ausgesprochen hatten. Lattek kannten sie aus der Nationalmannschaft. Seine Ernennung war umstritten, da er keinerlei Erfahrung als Vereinstrainer vorweisen konnte und gerade mal 35 Jahre alt war. Lattek und die Bayern beendeten die Saison als Vizemeister.

In den Reihen der Münchener standen mit Beckenbauer, Sepp Maier, Gerd Müller und Georg Schwarzenbeck vier Nationalspieler. Lattek ergänzte die Mannschaft noch mit den Jugendnationalspielern Paul Breitner, Uli Hoeneß und Rainer Zobel, die dem Ruf ihres ehemaligen Lehrmeisters an die Isar gefolgt waren. Der gewiefte Taktiker und Psychologe, der das offene Wort im Umgang mit seinen Star-Spielern bevorzugte, verstand es, aus diesen Ausnahmekönnern eine funktionierende Einheit zu formen. Er baute den FC Bayern zur stärksten deutschen Vereinsmannschaft auf und leitete die wohl erfolgreichste Phase der Vereinsgeschichte ein. Nach dem Sieg im DFB-Pokal 1971 wurde er mit den Bayern von 1972 bis 1974 dreimal in Folge Deutscher Meister. 1974 folgte die europäische Krönung, als erste deutsche Mannschaft gewannen die Bayern den Europapokal der Landesmeister (1:1, 4:0 gegen Atlético Madrid). Im Sommer 1974 bildeten die Bayern-Spieler - sechs waren während des Turniers Stammspieler - auch den Kern der deutschen Weltmeister-Elf, die im eigenen Land den WM-Titel gewann.

1974/75 spielten die Bayern die schlechteste Bundesliga-Saison ihrer Geschichte, während der auch eine Serie von 73 Heimspielen ohne Niederlage riss. Nach Unstimmigkeiten mit Vereinspräsident Wilhelm Neudecker wurde Lattek am 3. Januar 1975 entlassen und durch Dettmar Cramer ersetzt.

Borussia Mönchengladbach (1975 bis 1979)

Für die Saison 1975/76 hatte Lattek eigentlich bei Rot-Weiss Essen unterschrieben, ging dann aber zu Borussia Mönchengladbach: „Was würden Sie denn machen, wenn Sie die Wahl zwischen einem Fahrrad (Essen) und einem Mercedes (M'gladbach) hätten?“

In Mönchengladbach übernahm Lattek eine intakte Mannschaft mit Spielern wie Uli Stielike, Jupp Heynckes, Herbert Wimmer, Allan Simonsen, Rainer Bonhof und Berti Vogts, aber er veränderte das Spielsystem der „Fohlen“. Anstelle des "Hurra-Stils" seines Vorgängers Hennes Weisweiler legte er den Schwerpunkt mehr auf den Defensivbereich und gewann mit einer stabilen Abwehr die beiden nächsten Meisterschaften 1976 und 1977. Im zweiten Jahr stand er mit Gladbach auch im Finale des Europapokals der Landesmeister (später Champions League) 1976/77, wo man sich aber dem FC Liverpool mit 1:3 geschlagen geben musste.

1979 besiegten die Borussen im Finale des UEFA-Pokals Roter Stern Belgrad (1:1, 1:0) und feierten ihren zweiten internationalen Erfolg. Nach vier Jahren verabschiedete sich Lattek vom Bökelberg und übergab sein Amt an Jupp Heynckes, der seine Spielerkarriere beendet hatte.

Borussia Dortmund (1979 bis 1981)

Mit dem BVB verbrachte Lattek zwei unspektakuläre Jahre im Mittelmaß der Bundesliga. Diese Zeit wurde durch die schwere Krankheit seines 15-jährigen Sohnes Dirk überschattet, der schließlich 1981 an Leukämie verstarb. Dies nahm Lattek zum Anlass, Deutschland zu verlassen und eine neue Herausforderung im Ausland zu suchen. Er bat BVB-Präsident Reinhard Rauball um die vorzeitige Freigabe und übernahm das Traineramt beim spanischen Traditionsverein FC Barcelona.

FC Barcelona (1981 bis 1983)

Lattek: „Ich brauchte eine neue Aufgabe, Barcelona war schon damals der schwierigste Klub, der mich 24 Stunden am Tag gefordert und dadurch auch abgelenkt hat. Ich musste außerdem eine neue Sprache lernen, habe das in drei Monaten geschafft, brauchte nie einen Dolmetscher und habe beim ersten Training im Camp Nou vor 45.000 Zuschauern eine kleine Rede in Spanisch gehalten.“

1982 erreichte Lattek mit „Barça“ das Finale des Europapokals der Pokalsieger, wo Standard Lüttich mit 2:1 bezwungen werden konnte. In diesem Sommer wechselte der argentinische Ausnahmespieler Diego Maradona zu Barcelona, das mit Miguel Bernardo Bianquetti, Carles Rexach, Quini, Bernd Schuster und Latteks altem Bekannten Allan Simonsen ohnehin bereits viele Stars im Kader hatte. Mit Maradona hatte Lattek ein schwieriges Verhältnis. Als dieser sich 1983 bei einem Abfahrtstermin des Mannschaftsbusses verspätete, ließ Lattek den Bus ohne den Superstar abfahren. Wenig später wurde Lattek entlassen und durch den Argentinier César Luis Menotti ersetzt. Lattek vermutete, dass ihm aufgrund einer Beschwerde Maradonas beim Vereinpräsidenten gekündigt wurde.

FC Bayern München (1983 bis 1987)

Nach seiner Entlassung in Spanien kehrte er wieder in die Bundesliga zurück und übernahm zur Saison 1983/84 die Bayern ein zweites Mal. Sein ehemaliger Spieler Uli Hoeneß, inzwischen Bayern-Manager, hatte ihn zurück an die Isar geholt. Lattek konnte an seine Erfolge aus den frühen Siebzigern anknüpfen, indem er einen weiteren Titel-Hattrick folgen ließ (1985, 1986, 1987) - 1986 sogar das „Double“ aus Meisterschaft und Pokal. 1987 unterlag sein Team allerdings im Finale des Europapokals der Landesmeister dem FC Porto mit 1:2.

Bei Bayern arbeitete er wieder mit vielen Ausnahmespielern wie Karl-Heinz Rummenigge, Lothar Matthäus, Dieter Hoeneß, Jean-Marie Pfaff und Klaus Augenthaler zusammen und wurde seinem Ruf als „erfolgreichster deutscher Trainer“ gerecht. Berühmt wurde das Bild vom Trainer, der nach dem Titelgewinn 1987 (der zehnte der Bayern, damit waren sie Rekordmeister) den Zuschauern im Olympiastadion seine Hosen zuwarf und anschließend nur noch in Unterwäsche feierte.

Wie schon 1979 bei Borussia Mönchengladbach folgte ihm als Trainer auch hier wieder Jupp Heynckes.

Sportdirektor beim 1. FC Köln (1987 bis 1991)

Danach verkündete Lattek, sich als Trainer zurückzuziehen, um als Sportdirektor für den 1. FC Köln zu arbeiten, da er auch in der Nähe der Stadt lebte. 1991 kehrte er noch einmal für ein Spiel als Interimstrainer auf die Bank zurück (1:1 gegen Bayern München).

FC Schalke 04 (1992 bis 1993)

vom 1. Juli 1992 bis zum 17. Januar 1993 betreute der Meistermacher den FC Schalke 04. Sein Vertrag beinhaltete 8.000 Mark für jeden Bundesligapunkt, eine Suite im Gelsenkirchener Maritim-Hotel, ein Dienst-Mercedes inklusive Tankkarte und die Übernahme aller Telefonkosten. Besonderer Clou des Vertrages: Wenn Schalke Meister geworden wäre, hätte Lattek zwei Millionen Mark erhalten, beim Einzug in den UEFA-Cup und Platzierung vor Borussia Dortmund wären 1,5 Millionen fällig gewesen.

In der Winterpause, Schalke belegt den elften Tabellenplatz, musste Lattek Platz machen für Helmut Schulte, der die Mannschaft letztlich auf den zehnten Rang führt. Lattek schaut nur noch als Berater zu und verlässt den Verein im Sommer 1993.[4]

Danach erklärte Lattek seinen Rückzug vom aktiven Fußballgeschäft.

Borussia Dortmund (2000)

2000 übernahm der inzwischen 65-Jährige zum letzten Mal ein Traineramt. Borussia Dortmund rangierte fünf Spieltage vor Saisonende lediglich einen Punkt vor den Abstiegsplätzen. Lattek und sein Assistent Matthias Sammer schafften es, Dortmund in der Liga zu halten. Nach einem abschließenden 3:0-Sieg gegen Hertha BSC wurde der Erfolgstrainer von 75.000 Fans im Signal Iduna Park frenetisch gefeiert. Ein Engagement über die Saison hinaus lehnte er ab. Für seinen Kurzeinsatz soll Lattek rund 500.000 DM Gage erhalten haben.

Erfolge als Trainer

International

  • Vize-Weltmeister 1966 als Co-Trainer der Nationalmannschaft
  • Europapokal der Landesmeister: 1974 (FC Bayern München)
  • UEFA-Pokal: 1979 (Borussia Mönchengladbach)
  • Europapokal der Pokalsieger: 1982 (FC Barcelona)

Deutschland

  • Deutscher Meister (8x): 1972, 1973, 1974 (FC Bayern München), 1976, 1977 (Borussia Mönchengladbach), 1985, 1986, 1987 (FC Bayern München)
  • DFB-Pokal (3x): 1971, 1984, 1986 (FC Bayern München)

Auszeichnungen

Lattek wurde durch die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur für den besten Fußballspruch 2010 ausgezeichnet. Seine prämierte Aussage über den von ihm einst trainierten 1. FC Köln lautete:[5]

„Im Kölner Stadion ist immer so eine super Stimmung, da stört eigentlich nur die Mannschaft.“

2011 erhielt er den Sport Bild-Award für sein Lebenswerk.

Nach der Trainerkarriere

Lattek lebte mit seiner Ehefrau in Köln und war als Kolumnist für Die Welt und den kicker tätig. Am 22. Mai 2011 wurde er als Kommentator in der Sonntagssendung Doppelpass auf Sport1 (ehemals DSF) nach 16 Jahren und 786 Sendungen,[6] in denen er als Experte längst Kultstatus erreicht hatte, feierlich verabschiedet.

Im August 2010 erlitt Lattek einen Schlaganfall. Durch den schnellen Einsatz seiner Frau konnten Folgeschäden verhindert werden. 2011 und 2012 musste er sich zwei Operationen am Gehirn zur Entfernung gutartiger Tumore unterziehen. Am 13. Oktober 2013 gab seine Frau gegenüber der Bildzeitung bekannt, dass Lattek an der Parkinson-Krankheit leide.[7] Zudem wurde bekannt, dass er an schleichender Altersdemenz leide. Er lebte in einem Kölner Pflegeheim und war auf den Rollstuhl angewiesen.[8] Am 31. Januar 2015 starb er im Alter von 80 Jahren. Er wurde am 10. Februar 2015 auf dem Neuen Friedhof in Köln-Weiden unter prominenter Anteilnahme beigesetzt.

Weblink

Einzelnachweise

  1. Udo Lattek steigt beim "Doppelpass" aus auf welt.de; abgerufen am 16. Januar 2015
  2. "Sportunterricht mit Udo Lattek" auf Kölner Stadt-Anzeiger abgerufen am 16. Januar 2015
  3. kicker.de zum 75. Geburtstag mit Bildern; abgerufen am 17. April 2011
  4. Schalker Kalenderblatt
  5. Udo Lattek: "Nur die Mannschaft stört", kicker online vom 26. Januar 2011 (abgerufen am 22. Juni 2011)
  6. Thomas Gassmann: Udo Lattek im Interview: „Der Tod ist mir scheißegal“. In: express.de. 2011-05-28. Abgerufen am 2017-05-24.
  7. Startrainer: Udo Lattek leidet an Parkinson. In: Spiegel Online. 2013-10-14. Abgerufen am 2015-02-06.
  8. Oskar Beck: Udo Klartext – der große Entert(r)ainer ist tot. In: welt.de. 2015-02-06. Abgerufen am 6. Februar 2015.