Vestischer Höhenrücken

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Der Vestische Höhenrücken ist ein flachwelliger, maximal 113 über NN hoher und damit seine umgebenden Flusstäler um rund 60 bis 70 m überragender Höhenzug im nördlichen Ruhrgebiet. Er ist naturräumlich Teil der Haupteinheit Emscherland und erhebt sich zwischen dem Übergang des Dortmund-Ems-Kanals in den Rhein-Herne-Kanal im Osten, der Emscher im Süden, der Boye in Südwesten bis Westen, dem Schölsbach im Nordwesten, der Lippe im Norden und dem Sickingmühlenbach und dessen Quellauf Silvertbach im Nordosten. Hierbei fließen Emscher, Boye und Lippe in einiger Entfernung.

Der Vestische Höhenrücken liegt größtenteils im Kreis Recklinghausen und bildet das Kernland des ehemaligen Vest Recklinghausen, aus dem der Kreis, mit einigen Grenzänderungen, hervorgegangen ist. Er enthält an seiner Südflanke, im Norden des Ballungsraumes Ruhrgebiet, von Ost nach West, die Kreisstadt Recklinghausen (ohne Südstadt), den Norden der Stadt Herten, die ehemalige Stadt Buer (heute Teil der Stadt Gelsenkirchen, ohne Süden) und den Norden der Stadt Gladbeck. An seiner Nordflanke enthält er neben dem größten Teil der Stadt Marl und dem Norden Buers (mit Hassel und Scholven) auch ländliche Gebiete.

Die höchsten künstlichen Erhebungen der Landschaft stellen heute die Kohlehalden dar, allen voran die Halde Oberscholven mit 201.8 über NN. Die Letztere wird noch deutlich von den benachbarten, vom Bodenniveau aus hohen Schornsteinen überragt.

Naturräumliche Gliederung

Der Vestische Lößrücken gliedert sich wie folgt:[1]

  • (zu 543 Emscherland)
    • 543.0 Vestischer Höhenrücken (Recklinghauser Landrücken)

Der Vestische Höhenrücken teilt sich auf in den bis 113 über NN hohen Recklinghauser Lößrücken um Recklinghausen im Osten, den bis 94 über NN hohen Buerschen Höhenrücken bei und nordwestlich von Gelsenkirchen-Buer im Westen sowie die Marler Flachwellen um Marl im Norden.

Der Recklinghauser Lößrücken zieht sich in Form eines nach Süden offenen Halbkreises vom Wasserturm auf dem Fritzberg im Osten zum Wasserturm Herten-Scherlebeck, dicht der westlichen Stadtgrenze, um die Recklinghäuser Innenstadt. Er weist insgesamt einen höheren Lössanteil - Lösslehm, randlich auch Sandlöss - auf als die anderen Teillandschaften auf. Die natürliche Waldgesellschaft stellt der Rotbuchenwald dar, woran kleine Inseln, wie z.B. das Loh im Osten der Kreisstadt erinnern.

In Herten-Westerholt geht der Recklinghausener Lößrücken nach Westen in den Buerschen Höhenrücken über, der auf der Löchterheide, im Osten der (ehemaligen) Kernstadt Buers, seinen Höhenschwerpunkt mit 94 über NN bereits im Südosten findet und nach Nordwesten hin sehr allmählich abflacht. Am Südrand sind noch inselartig im kleinen Naturschutzgebiet Im Deipen Gatt Reste des ursprünglichen Buchen-, Eichen-Hainbuchen- und Erlen-Eschen-Auwaldes erhalten.

Nach Nordwesten wird der Recklinghauser Lößrücken von den flachwelligen, nur 50-85 über NN hohen Marler Flachwellen im Norden des Vestischen Höhenrückens um Marl zur Lippe hin abgedacht. Hier treten nur am Südrand vereinzelt noch Sandlöss-Inseln auf. Die Flächen der Geländewellen werden landwirtschaftlich genutzt, die etwa 10 Meter tiefer liegenden Bachtäler neigen zur Versumpfung und dienen als Weideland.

Kammlinie

Der naturräumlichen Gliederung analog teilt sich die Kammlinie, die gleichzeitig die Wasserscheide zwischen Emscher und Lippe darstellt, in einen östlichen Teil, der sich um die Recklinghäuser Innenstadt zieht, und einen westlichen Teil, der von Buer aus nach Nordwesten ausläuft..

Recklinghauser Lößrücken

Im Osten beginnt die Kammlinie des Höhenrückens bei Datteln-Meckinghoven. Unmittelbar östlich passiert das Verbindungsstück zwischen dem Rhein-Herne-Kanal und dem Dortmund-Ems-Kanal auf 56.6 über NN, auf das von Südosten die Zufahrt vom Hafen Dortmund in etwa 70 m Höhe stößt, welches auszugleichen Aufgabe des Schiffshebewerkes Henrichenburg ist. Südlich Horneburgs erreichen die Randhöhen des Rückens (Lohkamp) hier 78.8 über NN.

Das Gelände steigt in Richtung Westsüdwesten erst nur allmählich, dann, auf Recklinghäuser Gemarkung zwischen Essel im Norden und Suderwich im Süden, steigt das Gelände z.B. von Essel bis zum Lohweg auf 500 Metern waagerechter Strecke von 80 auf 100 m (4% Steigung). Hier verläuft also auch die Nordflanke vergleichsweise steil, was weiter westlich der zur Emscher weisenden Südflanke vorbehalten bleibt. Dem gegenüber steigt der Rücken auf den knapp 2 km zum Fritzberg nach Westen nur noch auf 113 m an, was nur noch etwa 0,7 % entspricht. Am höchsten Punkt steht der alte Wasserturm Recklinghausen, 150 m südwestlich davon der 90 m hohe Fernmeldeturm auf fast gleicher Höhe. Der Höhenweg fällt südlich des Fernmeldeturmes auf nur 250 Metern um 20 m von 105 m auf 85 m (8 % Gefälle) zum Wohngebiet Quellberg, wo das Gelände nach Südwesten bis zum Hellbach an der Eisenbahntrasse noch weiter zunächst steiler, dann sanft bis auf 60 m absinkt (durchschnittlich 25 m auf 1,2 km, also rund 2 %). Vom Funkturm zur Innenstadt hin nach Westen fällt das Gelände auf gut 1,5 km auf etwa 70 m (durchschnittlich 2,7 %).

Die Kammlinie umkreist nunmehr die Innenstadt nördlich, wobei das Gelände immer über 93 m bleibt (Sportplatz Lange Wanne: 93,6 m). Am Nordrand des Nordfriedhofes werden wieder 100 m erreicht, nordwestlich des Stadtgartens, unweit der Sternwarte dann 108 m. Weiter südwestlich erreicht das Gelände am Wasserturm Scherlebeck, unmittelbar westlich der Stadtgrenze) 109.9 über NN. Weiter nach Südwesten bleibt der Kamm bis zum Paschenberg 100.9 über NN über 98 m, bis das Gelände in jene Richtung schließlich innerhalb von 750 Metern von 90 m auf 60 m (4 % Gefälle) und schließlich westlich des Schlosses auf unter 50 m abfällt.

Der Kamm indes läuft dem gegenüber in westsüdwestliche Richtung bis zum Ortsteil Westerholt aus, wo er nur noch etwa 70 m erreicht. Hier ist die westliche Nahtstelle zum Buerschen Höhenrücken.

Buerscher Höhenrücken

Von Westerholt aus steigt der Rücken nach Südsüdwesten wieder an, um auf der Löchterheide im Osten Buers sowie an der Kreuzung Cranger Straße / Vom-Stein-Straße 94 über NN zu erreichen. Im Süden Buers fällt dabei der Hang nach Süden innerhalb von nur 250 Metern von 80 auf 60 m über NN (8 % Gefälle). 5 km südsüdwestlich der erwähnten Kreuzung liegt der Wasserspiegel des niedrigeren Beckens am Stadthafen auf nur 29 über NN und damit 65 m tiefer als der Rücken.

Der fortan durchgehend nach Westnordwesten verlaufende Kamm fällt nach zunächst wieder, erreicht aber im Westen der Bülser Straße im Nordosten Gladbecks wieder auf 82.6 über NN. Weiter in jene Richtung werden 70 m kurzzeitig unterschritten, an der Nordwestgrenze des Ortsteiles Zweckels zu Bottrop-Kirchhellen bleibt der Kamm schließlich nur knapp über 60 m. Unmittelbar östlich des Kernortes Kirchhellens werden noch einmal 75.2 über NN erreicht, bis die in Nord-Süd-Richtung verlaufende Trasse der Bundesautobahn A 31 auf nur etwa 55 m den Naturraum nach Westen begrenzt.

Fließgewässer

Der Vestische Höhenrücken wird, im Uhrzeigersinn, beginnend im Südosten, von den folgenden Flüssen und Bächen entwässert:

  • zur Emscher
    • Hellbach (Recklinghausen)
    • Resser Bach (RE-Hochlar und Herten-Disteln, zum Holzbach)
    • Holzbach (Westerholt)
    • Börnchenbach (Osten Buers)
    • Lanferbach (Süden Buers)
    • linke Boye-Zuflüsse
      • Wittringer Mühlenbach (Osten und Süden Gladbecks)
      • Haarbach (Gladbeck)
      • Brabecker Mühlenbach (Nordosten Gladbecks)
  • zur Lippe
    • Mühlenbach (über Schölsbach zum Rapphoffsmühlenbach, äußerster Norden Gladbecks)
    • Picksmühlenbach (zum Rapphoffsmühlenbach, Hassel)
    • Rapphoffsmühlenbach (Bertlich)
    • Weierbach (Marl)
    • linke Sickingmühlenbach/Silvertbach-Zuflüsse
      • Lohmühlenbach (Marl-Drewer)

Der Rapphoffsmühlenbach bildet die Trennlinie zwischen Buerschem Höhenrücken und Marler Flachwellen im Nordwesten; ihm südöstlich gegenüber entspringt der Holzbach im südöstlichen Sattelgebiet zwischen Recklinglauser und Buerschem Rücken.

Einzelnachweise

  1. Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 95/96 - Kleve/Wesel (Wilhelm von Kürten 1977; Osten des Blattes) - Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg

Weblinks

  • Naturraumkarten aus den Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands des Bundesinstituts für Landeskunde - relevant sind hier alle auf "543.0" beginnenden Einheiten auf Blatt 95/96 - Kleve/Wesel (Osten)