Wasserwerk für das nördliche westfälische Kohlenrevier

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Das Versorgungsgebiet des Wasserwerks 1922
Aktie über 1000 Mark der AG Wasserwerk für das nördliche westfälische Kohlenrevier vom 1. Juli 1909

Das Wasserwerk für das nördliche westfälische Kohlenrevier in Gelsenkirchen, das seinerzeit größte Wasserwerk Deutschlands, ist eine Schöpfung des Gewerken Friedrich Grillo, der sich um den Bergbau und die Industrie Westfalens unver­geßliche Verdienste erworben hatte. Er hat Ende der 1860er Jahre in Schalke die „Aktiengesellschaft für rheinisch-westfälische Industrie" gegründet und durch deren Baumeister Schülke, später Stadtbaurat in Barmen, zur Versorgung der Zechen und Werke in Schalke und Umgebung ein Wasser­werk in Steele a. d. Ruhr bauen lassen. Die Aktien­gesellschaft für rheinisch-westfäl. Industrie hatte da­mals auch die im Privatbesitz befindliche Gas­anstalt in Gelsenkirchen übernommen und ein Gas­werk in Schalke gebaut; sie hat Ende 1873 für den Betrieb des Wasserwerks und des Gaswerks die Aktiengesellschaft „Gelsenkirchen - Schalker Gas-und Wasserwerke" gegründet. In den Jahren 1885/86 hatte Friedrich Grillo in Verbindung mit der Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG) und der Gewerkschaft Erin zwecks Versorgung der Zechen und Werke in den Landkreisen Dortmund und Recklinghau­sen, sowie der Städte Recklinghausen, Herne und Buer durch den Ingenieur Max Schmitt ein Wasserwerk bei Witten an der Ruhr bauen lassen, für welches im Januar 1887 die Aktiengesellschaft „Wasserwerk für das nördliche Westfälische Koh­lenrevier zu Castrop" gegründet worden ist. Max Schmitt wurde Direktor dieser Gesellschaft und hat die­se bis 1900 geleitet. Da sich die Rohrnetze des Wasserwerks für das nördliche westfälische Kohlenrevier und der Gelsenkirchen-­Schalker Gas- und Wasserwerke bald berührten, hat erstere Gesellschaft am 1. Juli 1887 die An­lagen der Gelsenkirchen-Schalker Gas- und Was­serwerke übernommen und ihren Sitz nach Schalke, im Jahre 1892 nach Gelsenkirchen verlegt. Das Gaswerk zu Schalke ist 1897 an die Aktiengesell­schaft für Gas und Elektrizität zu Köln verkauft worden; seitdem hat das Wasserwerk für das nördliche westfälische Kohlenrevier sich nur der Wasserversorgung gewidmet. In den Jahren 1886/88 hat Friedrich Grillo in Gemeinschaft mit seiner Geburtsstadt Unna zur Versorgung von Unna und der von ihm gegrün­deten „Aktiengesellschaft für Bergbau, Salinen-und Solbadbetrieb, Königsborn", sowie der umlie­genden Zechen nach dem Entwurfe von Max Schmitt bei Langschede an der Ruhr ein Wasser­werk erbaut, welches nach dem Tode Grillos im Jahre 1888 ganz in den Besitz der Stadt Unna übergegangen und von dieser 1906 an das Wasser­werk für das nördliche westfälische Kohlenrevier verkauft worden ist; der Kaufpreis wurde in Aktien bezahlt, so daß Unna erheblich an dem Wasser­werk Gelsenkirchen beteiligt war. Der Zweck, der zur Gründung der jetzt vereinig­ten Wasserwerke Gelsenkirchen, Castrop und Unna geführt hatte, war also in erster Linie die Ver­sorgung des Bergbaues. Das gelieferte Wasser wurde mit etwa 85 Prozent für Industriezwecke, insbesondere vom Bergbau verbraucht. Entsprechend der außerordentlichen Entwickelung des westfälischen Bergbaues hat auch die Förde­rung des Wasserwerks für das nördliche west­fälische Kohlenrevier eine ständige, starke Zu­nahme gehabt.

Es versorgt etwa 150 Stadt- und Landgemeinden mit über 1 Million Einwohnern, etwa 120 Zechen und 80 andere größere industrielle Werke. Die Länge des Rohrnetzes hatte am 1. Januar 1921 1 65146 m in Röhren von 1000–50 mm Durchmesser betragen. Das Aktienkapital war im Jahre 1920 von 28 auf 56 Millionen Mark erhöht worden. Die Hauptverwaltung befand sich in Gelsenkir­chen an der Rheinelbestraße, Betriebsverwaltungen waren in Gelsenkirchen, Castrop, Recklinghausen und Unna. Außer den bereits erwähnten Werken in Steele, Witten und Langschede waren in den Jahren 1909/10 und 1913/14 Werke in Horst und Fröndenberg an der Ruhr gebaut. Die Schwierigkeit der hinreichenden Wassergewin­nung an der Ruhr und der weite Weg von ihr bis zum nördl. Versorgungsgebiet hatten das Wasserwerk veranlaßt, auch an anderen Stellen nach Wasser zu suchen. Die Emscher schied infolge ihrer Verschmutzung ganz aus; auch die Lippe war schon seit langen Jahren durch die Abwässer des Bergbaues so versalzen, daß ihr Wasser für Ver­sorgungszwecke nicht in Frage kam. Es ist aber gelungen, bei Haltern, am Einfluß der Steven in die Lippe, ein ausgedehntes, über 100 m tiefes Grundwasserbecken zu ermitteln, in dem in den Jahren 1905-1908 ein Grundwasserwerk erbaut worden ist. Die Gesellschaft besaß außer ihren Anlagen im westfälischen Kohlenrevier noch das Wasserwerk in Emden, welches 1895 erbaut wurde.

1973 folgte die Umfirmierung zur Gelsenwasser AG.

Weblinks

Quelle

  • Deutschlands Städtebau 1922; Herausgeber Stadtbaurat Max Arendt
  • Alles strömt - 125 Jahre GELSENWASSER AG, ISBN 978-3-9808917-0-7