Wilhelm Brepohl

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Dr. Wilhelm Brepohl (* 22. September 1893 in Gelsenkirchen; † 15. August 1975 in Dortmund) war ein deutscher Volkskundler und Soziologe, der in den 1930er-Jahren die Forschungsstelle für das Volkstum im Ruhrgebiet geleitet hat, die nach 1945 eine der Keimzellen der Sozialforschungsstelle Dortmund war. Er war Mitbegründer einer „industriellen Volkskunde“, die sich in den Dienst der nationalsozialistischen Bevölkerungspolitik stellte.

Leben

Brepohl wurde 1893 in Gelsenkirchen als Sohn eines Ingenieurs geboren. Er studierte in Marburg, Paris, Heidelberg, Berlin und Münster (Westfalen) und promovierte 1922 in Münster zum Dr. phil.[1]

Ab 1923 war er Redakteur, ab 1933 dann Hauptschriftleiter (Chefredakteur; vgl. Schriftleitergesetz) der „Gelsenkirchener Allgemeine Zeitung“. Am 1. Mai 1933 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.165.298).[2] 1935 wurde er Geschäftsführer der von ihm gegründeten Forschungsstelle für das Volkstum im Ruhrgebiet und schuf zusammen mit Eberhard Franke den rassistisch herabgesetzten "Typ des Polack". 1939 wurde er als Soldat eingezogen.[3]Zu dieser Zeit lebte er in der Leithestraße 63[4] . Er kam als Hauptmann zur Propaganda-Truppe und wurde an verschiedenen Kriegsschauplätzen eingesetzt. 1943/44 war er "als Major Volkstumssachverständiger in Nordfrankreich und wirkte an der rassistischen Bewertung für die Aufnahme in die Deutsche Volksliste mit".[5]

In den 1930er Jahren prägte Brepohl den Begriff "Gelsenkirchener Barock".

Nach dem Krieg wurde er als Mitläufer entnazifiziert und führte ab 1945 zunächst wissenschaftliche Tätigkeiten im Auftrag der Provinzialverwaltung Westfalen durch, bevor er dann 1947 Abteilungsleiter an der kurz zuvor (1946) von Otto Neuloh gegründeten Sozialforschungsstelle Dortmund wurde. 1948 erhielt er zudem einen Lehrauftrag an der Universität Münster;[6] 1957 wurde er dort zum Honorarprofessor ernannt.[7]

"Ab 1949 war Brepohl leitender Redakteur der Zeitschrift Soziale Welt. Mit dem Wechsel der Institutsleitung von Otto Neuloh zu Helmut Schelsky endete im Jahr 1960 die Tätigkeit Brepohls an der Sozialforschungsstelle."[8]

Brepohl und Eberhard Franke waren beide bis 1945 innerhalb der NS-Organisation Deutsche Arbeitsfront in einem sog. Arbeitswissenschaftlichen Institut AWI, tätig. Brepohl machte nach 1945 unbekümmert weiter wie bisher:

„Brepohl hatte seine sozialanthropologischen Studien 1947 mit oberflächlichen terminologischen Retuschen fortgesetzt und sich 1949 als leitender Redakteur des Zeitschrift Soziale Welt eine starke Machtposition positiv gesichert. Da seine empirischen Studien im Rahmen der Sozialforschungsstelle Dortmund von der Rockefeller Foundation finanziert wurden und offensichtlich unter dem Schutz der US Militärregierung standen, war es für ihn kein besonderes Wagnis, nun auch auf der Ebene der fachspezifischen Organisationen Flagge zu zeigen. Später stieß Karl Heinz Pfeffer hinzu.“

Karl Heinz Roth, Intelligenz, S. 37

Schriften

  • Deutscher Geist in westfälischer Prägung. Blut und Bildung in der Geschichte eines Stammes. Betrachtung und Studien, Köln: Schroeder, 1936
  • Der Aufbau des Ruhrvolkes im Zuge der Ost-West-Wanderung. Beiträge zur deutschen Sozialgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Recklinghausen: Bitter, 1948
  • Industrievolk im Wandel von der agraren zur industriellen Daseinsform dargestellt am Ruhrgebiet. Mohr Siebeck, Tübingen 1957

Literatur

  • Stefan Goch: Wilhelm Brepohl, in: Ingo Haar [Hrsg.]: Handbuch der völkischen Wissenschaften, München: Saur 2008, ISBN 978-3-598-11778-7, S. 81–85
  • Stefan Goch: Die Forschungsstelle für das Volkstum im Ruhrgebiet, in: Ingo Haar [Hrsg.]: Handbuch der völkischen Wissenschaften, München: Saur 2008, ISBN 978-3-598-11778-7, S. 182–187
  • Stadt Gelsenkirchen, Institut für Stadtgeschichte: Sammlung Wilhelm Brepohl, Findbuch, Bearb. Marta Miller, Gelsenkirchen 2014, PDF-Datei
  • Karl Heinz Roth: Intelligenz und Sozialpolitik im "Dritten Reich". Eine methodisch-historische Studie am Beispiel des Arbeitswissenschaftlichen Instituts der Deutschen Arbeitsfront. Saur, München 1993 ISBN 3598111665 S. 37. Online lesbar

Einzelnachweise

  1. Stadt Gelsenkirchen, Institut für Stadtgeschichte: Sammlung Wilhelm Brepohl, Findbuch, bearbeitet von Marta Miller, Gelsenkirchen 2014, PDF-Datei
  2. Stadt Gelsenkirchen, Institut für Stadtgeschichte: Sammlung Wilhelm Brepohl, Findbuch, a.a.O.
  3. Johannes Weyer: Die Forschungsstelle für das Volkstum im Ruhrgebiet (1935–1941). Ein Beispiel für Soziologie im Faschismus. In: Soziale Welt 1984, Jg. 35: S. 124–145.
  4. Adressbuch Gelsenkirchen 1939
  5. Stadt Gelsenkirchen, Institut für Stadtgeschichte: Sammlung Wilhelm Brepohl, Findbuch, a.a.O.
  6. Stadt Gelsenkirchen, Institut für Stadtgeschichte: Sammlung Wilhelm Brepohl, Findbuch, a.a.O.
  7. Johannes Weyer: Westdeutsche Soziologie 1945–1960. Deutscher Kontinuitäten und nordamerikanischer Einfluß. Duncker & Humblot, Berlin 1984, S. 405, ISBN 3-428-05679-5.
  8. Stadt Gelsenkirchen, Institut für Stadtgeschichte: Sammlung Wilhelm Brepohl, Findbuch, a.a.O.